INCI im Check — Silikone - mehr Schein als Sein!?

Dienstag, Januar 12, 2016

Silikone im Shampoo

Silikon in Haarpflegeprodukten - kaum ein anderer Inhaltsstoff wird im Moment so kontrovers diskutiert. Die Einen schwören darauf, die Anderen würden ihn gerne grundsätzlich aus ihrer (Haar-)Pflege verbannen, doch was steckt wirklich dahinter? Ist "silikonfrei" tatsächlich so gut für unsere Haare und sind Silikone wahrhaftig das manifestierte Böse? Ich bin aktuell selbst auf der Suche nach der richtigen Haarpflege und zusammen mit euch möchte ich dem Ganzen heute auf den Grund gehen!

Silikon - was ist das überhaupt?


First of all: Silikon ist der Überbegriff für eine große Gruppe an synthetisch hergestellten Kunstoffen. Mit Hilfe der Ausgangsmaterialien Silizium und Methylchlorid können in Folge mehrerer Herstellungsprozesse unterschiedliche Produktklassen von Silikon wie zum Beispiel Silikonharz und Kautschuk gewonnen werden. Wenn wir über das Silikon in Haarpflege- und Kosmetikprodukten sprechen, meinen wir streng genommen Silikonöl, ein transparentes, wasserabweisendes Öl mit geringer Oberflächenspannung (diese Eigenschaft wird für uns später noch besonders wichtig werden). Silikonöl ist ungiftig, bei Kontakt mit den Augen kann es aber kurzzeitig zu Reizungen kommen.

Aufgepasst: Silikon ist biologisch nicht oder nur schwer abbaubar und die wasserlöslichen Reste gelangen leicht über die Filteranlagen in Flüsse, Seen und Grundwasser. Schon alleine der Umwelt zuliebe sollte daher auf den Inhaltsstoff Silikon verzichtet werden.

Silikone im Shampoo - das machen sie!


Silikon in Haarshampoo - so wirkt es!


Silikon ist kein Heilmittel! Es kann kaputte Haare nicht reparieren, aber die geringe Oberflächenspannung dieses Inhaltsstoffs sorgt dafür, dass sich Silikone in einer dünnen Schicht gleichmäßig um jedes einzelne Haar legt und die oberste Haarschicht glättet. Was wir davon haben? - Die Haare wirken optisch sofort gesünder, glänzen gepflegt und lassen sich besser kämmen. Da Silikon an sich nicht schädlich für die Haare ist, können Mädels bei bewussten Umgang mit dem Inhaltsstoff auf das Wundermittelchen zurückgreifen, um sich die eigene Mähne "aufzuhübschen" - in Zeiten von Push Up BHs, Fake Lashes und stützenden Feinstrumpfhosen ein durchaus legitimiertes Mittel!

Silikon hat leider aber auch einen großen Nachteil: es wäscht sich beim Wasche nicht heraus, sondern lagert sich Schicht für Schicht auf den Haaren ab (Build-Up-Effekt), lässt die nötigen Pflegestoffe nicht mehr zum Haar durchdringen, beschwert und sorgt in kürzeren Abständen für einen fettigen Ansatz - also genau das Gegenteil von dem, was wir eigentlich erreichen wollen.

Der Unterschied zwischen auswaschbaren und nicht auswaschbaren Silikonen Silikone in Haarshampoos


Build-Up Effekt und wie du Silikone wieder loswirst


Mädels, die die Auswirkungen des Build-Up Effekts schon bemerken, können aber beruhigt aufatmen: mit Hilfe silikonfreier Produkte löst sich die ungeliebte Schicht nach einigen, aufeinanderfolgenden Haarwäschen ganz von selbst. Wer diesen Vorgang beschleunigen und/ oder noch andere Inhaltsstoffe wie Ölrückstände und Tenside aus seinen Haaren loswerden möchte, der kann gelegentlich auch zu Peelingshampoos oder Tiefenreinigungsshampoos greifen.

Aber aufgepasst: Shampoos dieser Art (insbesondere Peelingshampoos) sind nicht gerade schonend und trocknen die Haare sehr schnell aus. Geht mit solchen Mitteln sorgsam um, dosiert in kleinen Mengen und verdünnt das Shampoo vor dem Auftragen mit etwas Wasser. Wer sich bei der Häufigkeit der Anwendung unsicher ist, der sollte seine Haare einfach genau im Auge behalten! Wenn diese gegen ihre sonstigen Gewohnheiten schlaff nach unten hängen oder nach dem Duschen ungewöhnlich schnell wieder nachfetten, dann sind das deutliche Hilferufe und ein "Go" für Tiefenreinigungsshampoos.

Silikone - Tiefenreinigungsshampoo? Silikone Entfernen - Tiefenreinigungsshampoos


Wasserlösliche Silikone - wo liegt der Unterschied?


Viele, meist hochwertigere Haarpflegeprodukte werben inzwischen mit wasserlöslichem Silikon. Dass Wasserlöslichkeit aber nichts mit Auswaschbarkeit zu tun hat, dass wird in diesem Zusammenhang gerne unterschlagen. Wasserlöslichkeit bedeutet "nur", dass sich unpolare Stoffe nur in unpolaren Lösungsmitteln lösen und polare Stoffe nur in polaren Lösungsmitteln. Ihr kennt das sicher alle aus der Küche: Während sich Salz (polar) wunderbar in Wasser (polar) auflöst, schwimmt Fett (unpolar) unbeeindruckt an der Wasseroberfläche (polar). Was bringt uns das in Hinblick auf die Auswaschbarkeit eines Silikons? - Leider gar nichts! Alle Silikone lagern sich beim Waschen an den Haaren ab und können alleine mit Wasser erst einmal nicht mehr entfernt werden.

Silikone im INCI Check Silikone - Auf was muss ich achten


Silikonfreie Pflege - die bessere Wahl?


Den Denkansatz, grundsätzlich auf Silikone komplett verzichten zu wollen, finde ich richtig; in vielen Fällen ist dies aber nicht die beste Wahl. Folgendes solltet ihr bei eurer Entscheidung im Hinterkopf behalten:

  • Beim Umstieg auf silikonfreie Pflegeprodukte können Haarschäden zu Tage treten/ optisch sichtbar werden, denen man sich auf Grund des kaschierenden Effekts der Silikone vorher gar nicht bewusst war. Es liegt dann an euch, diese Defizite mit der passenden Pflege auszugleichen.
  • Weder silikonhaltige noch silikonfreie Produkte können kaputte/ gebrochene Haare reparieren
  • Silikone sind nicht nur im Shampoo, sondern auch und vor allem in Spülungen, Hitzeschutz, Leave In- und Stylingprodukten enthalten.
  • "silikonfrei" liegt aktuell voll im Trend, derweil sind zum Teil weitaus schlimmere Inhaltsstoffe in Shampoos/ Haarpflegeprodukten enthalten.


Die Wahrheit über Silikone in Haarpflegeprodukten


Ich hoffe, ich konnte in meinem heutigen Beitrag klar machen, auf was ich hinausmöchte: Silikone kann man nicht grundlegend für ihr Dasein verteufeln und silikonfreie Pflege macht nicht automatisch alles besser! Beide Wege haben ihre Daseinsberechtigung und Mädels, die bewusst einkaufen und die Inhaltsstoffe etwas im Auge behalten, werden auf jeden Fall den richtigen Weg für sich finden.


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1 Comments

  1. Huhu,
    ein wirklich schöner Beitrag, der in meinen Augen auch echt alles zusammen fasst, was es so zu sagen gibt. Nicht alles ist schlecht, aber man sollte wissen, was man mit Silikonen tun will... Ich zum Beispiel nutze gern Silikone in den Haarspitzen, wasche aber den Kopf selbst immer ohne, um von beidem das Beste rauszupicken. ;)
    Lieben Gruß, Anna

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